Zukunft wird in Holz gebaut
Das Einfamilienhaus mit Garten ist der Inbegriff des deutschen Wohntraums. Doch Familien verändern sich, Arbeitsmodelle wandeln sich, Wohnbedürfnisse entwickeln sich weiter. Wie können Einfamilienhäuser flexibel geplant oder umgebaut werden, um sich an die verschiedenen Lebensphasen der Bewohner anzupassen?
Das eigene Haus mit Garten bleibt der Traum vieler Bauherren und Familien. Weit über 50 Prozent der Deutschen wünschen sich ein Einfamilienhaus. Laut aktuellen Zahlen vom Statistischen Bundesamt (Destatis) existieren in Deutschland 13,5 Millionen Einfamilienhäuser, die ein Drittel (31,4 Prozent) der Wohnungen in Wohngebäuden ausmachen.1 Zählt man die Zweifamilienhäuser hinzu, erhöht sich die Zahl auf rund 17 Millionen.2 Jedes Jahr kommen circa 90.000 Ein- oder Zweifamilienhäuser hinzu.
Wie keine andere Wohnform ist das klassische Einfamilienhaus ursprünglich auf die Zwei-Generationen-Familie (Eltern plus Kinder) zugeschnitten. Als bauliche Verkörperung der Kernfamilie wurden besonders ältere Einfamilienhäuser architektonisch dezidiert für das klassische Familienleben konzipiert. Auch heute stellt das Einfamilienhaus einen idealen Rückzugsort dar und bleibt daher für viele Menschen in der Phase der Familiengründung ein wichtiges Projekt. Als sinnvolles Modell der Altersvorsorge hat das Einfamilienhaus ebenfalls weiterhin seine Berechtigung.
Die einst starr angelegten Wohnarchitekturen führen jedoch dazu, dass die Eltern nach dem Auszug der Kinder in viel zu großen Häusern verharren und wohnen bleiben. In fast der Hälfte aller Ein- oder Zweifamilienhäuser leben die Bewohner allein oder zu zweit.3 Vor allem dort, wo nur ein bis zwei Personen auf viel Fläche leben, schlummern zahlreiche Wohnraumpotenziale. Untersuchungen zeigen, dass viele Eigentümer grundsätzlich offen dafür sind, kreativ mit dem „Empty-Nest“ umzugehen und das Wohnen zunehmend als Prozess begreifen.4
Die meisten Bauherren denken beim Bau ihres Einfamilienhauses vor allem an ihre aktuellen Wohnbedürfnisse. Seltener haben sie die Zeit nach der Familienphase im Blick. Dabei ist es kein Hexenwerk, die zukünftige Anpassungsfähigkeit eines Hauses gleich von Anfang an mit einzuplanen. So kann sich ein Haus an wechselnde Lebensumstände und Bewohnerkonstellationen anpassen. Durchdachte Entwürfe und Konzepte, die eine Teilung oder Erweiterung der Wohnfläche ermöglichen, lassen sich leicht realisieren und sichern die Zukunftsfähigkeit einer Immobilie. Dadurch kann die heute bewohnte Immobilie morgen als Altersvorsorge, Mehrgenerationenlösung oder Arbeitsplatz dienen.
Ein zukunftsfähiges Einfamilienhaus ist immer auch ein nachhaltiges Haus. Die nachhaltige und langfristige Nutzung von Immobilien ist ein zentraler Faktor für den Klimaschutz und den Werterhalt. Denn eine optimale Nutzung der Wohnfläche über die gesamte Lebensdauer des Hauses reduziert den Flächenverbrauch und verlängert den Lebenszyklus des Gebäudes. Dies gilt nicht nur beim Neubau, sondern auch beim Bauen im Bestand. Der gezielte Umbau von Bestandsbauten zur längeren und flexibleren Ausnutzung des Wohnraums nutzt die bestehende Substanz, reduziert dadurch ebenfalls den Flächenverbrauch und spart zudem Ressourcen, Kosten und Energie.
Selbstverständlich spielt die Wahl der Materialien dabei eine wichtige Rolle. Wenn bei Neubauten oder Sanierungsprojekten auf natürliche, ressourcenschonende und wiederverwendbare Baustoffe wie Holz gesetzt wird, erhöht sich die ökologische Verträglichkeit und die CO2-Emissionen werden im Vergleich zu konventionellen Baustoffen erheblich reduziert.
Wie plant man Häuser, die im Laufe der Zeit erweitert werden können? Ein gutes Beispiel hierfür ist die Idee des wachsenden Hauses. Ein wachsendes Haus ist eine strategisch geplante Immobilie, die später in Etappen erweitert werden kann. Als Basis wird dabei zunächst nur der aktuell benötigte Wohnraum realisiert, der sich mit wachsendem Bedarf aber schrittweise erweitern lässt. Dies minimiert die Anfangsinvestitionen und lässt gleichzeitig alle Möglichkeiten offen. Aus diesem Grund ist das Konzept besonders für junge Paare und (noch) kleine Familien attraktiv.
Ein durchdachter Grundriss, der spätere Änderungen ermöglicht, ist dabei das A und O. Mit architektonischer Weitsicht lassen sich tragende Wände, Fenster, Türen, Zugänge und Eingänge so planen, dass sich die Wohnräume später flexibel gestalten lassen und Erweiterungsflächen realisiert werden können.
Für eine etwaige Aufstockung als Hauserweiterung sollten die statischen Aspekte so konzipiert sein, dass das Bestandsgebäude ein Zusatzgeschoss später trägt. Die Tragkonstruktion und das Fundament müssen die zusätzliche Beanspruchung der Aufstockung aushalten können. Auch die oberste Geschossdecke muss entsprechend ausgebaut sein. Für eine Aufstockung eignet sich ein Flachdachbau besser als ein Spitzdachbau. Kommt weder eine Aufstockung noch ein Anbau infrage, können Kellergeschoss oder Garagen auf eine Umnutzung ausgelegt werden. Bei allen Erweiterungsvarianten ist es wichtig, auch die Haustechnik für die Zukunft zu planen. Installationsschächte und Leerrohre sollten daher bereits mit Blick auf spätere Einbauten von zusätzlichen Bädern und Küchen verlegt werden.
In Melsungen-Schwarzenberg hat Holzbau Kühlborn einen circa 90 Quadratmeter großen Flachdach-Bungalow in Holzbauweise gebaut, der zunächst nur von einer Person bewohnt wird. Bereits in der ersten Bauphase wurden die statischen, technischen und räumlichen Voraussetzungen für eine spätere Erweiterung geschaffen.
Für eine spätere Aufstockung ist bereits alles vorbereitet. Der Zugang zur oberen Wohnung wird dann über den Carport erfolgen und das jetzige Vordach wird zum Balkon der oberen Etage umfunktioniert. Durch die gezielte Vorbereitung bleiben zukünftige Maßnahmen kosteneffizient und sind konstruktiv problemlos umsetzbar. Die Holzbauweise ist für Aufstockungen baustatisch besonders gut geeignet, da sie mit einem hervorragenden Verhältnis von Festigkeit zu Eigengewicht sowie einer enormen Tragfähigkeit überzeugt.
Ein wachsendes Haus muss jedoch nicht zwangsläufig ein Neubau sein. Auch Bestandsgebäude lassen sich schrittweise weiterentwickeln, wie eines unserer Projekte in Kassel zeigt. Dort wurde ein Split-Level-Bungalow aus den frühen 70er-Jahren komplett umgebaut und durch einen Anbau sowie eine Aufstockung aus Holz in ein lichtdurchflutetes Dreifamilienhaus mit knapp 400 Quadratmetern Wohnfläche verwandelt.
Ein weiteres beliebtes Modell, um ein Haus an die Lebensphasen der Bewohner anzupassen, ist das sogenannte Generationenhaus. Viele Ein- oder Zweifamilienhäuser eignen sich hervorragend für den Umbau zum Generationenhaus. Selbstverständlich lassen sich auch Neubauten bereits so planen, dass sie später einmal als Generationenhaus genutzt werden können. Ein Generationenhaus vereint mehrere Wohneinheiten unter einem Dach oder auf einem Grundstück. Mindestens eine Wohneinheit sollte dabei altersgerecht gestaltet sein. Ob Eltern, Kinder, Großeltern oder auch externe Mieter – das Zusammenleben ist flexibel gestaltbar und gleichzeitig klar voneinander getrennt.
Zu den typischen Umbaumaßnahmen zählen die Trennung der Wohnbereiche sowie die Gestaltung großzügiger und möglichst barrierefreier Gemeinschaftsflächen. Auf diese Weise wird für ausreichend Privatsphäre und gleichzeitig für ein lebendiges Miteinander gesorgt. Oftmals ist für die Aufteilung in separate Wohnbereiche der Einbau zusätzlicher Bäder und Küchen sowie der Einbau zusätzlicher Eingänge oder Treppenzugänge erforderlich.
Meist reichen schon wenige bauliche Maßnahmen aus, um ein klassisches Einfamilienhaus zu einem Mehrgenerationenhaus umzubauen. Das Gemeinschaftsleben verhindert eine Vereinsamung im Alter, bietet kurze Wege und soziale Nähe, ohne die Privatsphäre zu beeinträchtigen. Ebenso können sich die Generationen im Alltag perfekt gegenseitig unterstützen, beispielsweise durch die unkomplizierte Möglichkeit der Kinderbetreuung durch die Großelterngeneration.
Anstatt in einem viel zu großen Einfamilienhaus mit vielen ungenutzten Zimmern zu wohnen, bietet der Umbau zum Generationenhaus eine Win-win-Situation für alle Bewohner und schöpft das Potenzial der eigenen Immobilie dauerhaft voll aus. Denn wo heute noch die Großeltern wohnen, können später einmal die erwachsenen Kinder oder andere Mieter einziehen. Das Generationenhaus bleibt so „generationsübergreifend“ flexibel nutzbar.
Selbstverständlich lässt sich auch ein Neubau als Mehrgenerationenhaus planen. In Fuldatal-Knickhagen haben wir einen zweikubigen und barrierefreien Winkelbungalow für zwei Generationen geplant und gebaut. Er vereint zwei getrennte Wohnbereiche und gemeinschaftlich genutzte Flächen. Aufgrund der klar gegliederten und ineinandergreifenden Baukörper ist das Gebäude ideal für das gemeinschaftliche Wohnen konzipiert. Durch das treppenlose Leben auf einer Ebene bieten Bungalows eine per se altersgerechte Wohnform an. Momentan wird das Haus durch eine Mutter und ihre Tochter bewohnt, die beide bereits Enkel- bzw. Großenkel haben. Auch dieses Gebäude ist bereits so geplant, dass eine Aufstockung in Holzbauweise leicht realisierbar ist. Durch die Aufstockung könnten dann zwei weitere Wohneinheiten ergänzt werden, falls die kommenden Generationen dazustoßen möchten.
Für viele Menschen ist das Wohnen und Arbeiten unter einem Dach längst zur neuen Normalität geworden. Homeoffice, hybride Arbeitsmodelle oder mobiles Arbeiten gehören zur täglichen Realität und haben sich fest etabliert.
Bei einem Neubau ist es daher fast schon ein Muss, ein Arbeitszimmer einzuplanen. Wer nicht dauerhaft mit dem Laptop am Küchentisch sitzen möchte, sollte bereits bei der Hausplanung einen festen und möglichst abgeschlossenen Arbeitsplatz berücksichtigen. Idealerweise ist dieser Bereich separat zugänglich, um eine klare Trennung von Wohn- und Arbeitsbereich zu schaffen und somit eine Grenze zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen. Auch in bestehenden Gebäuden lässt sich Wohnen und Arbeiten gut kombinieren. Durch kleinere Umbauten entstehen separate Arbeitsbereiche, ohne das private Wohnen zu beeinträchtigen.
Zum Beispiel lassen sich Gästezimmer umfunktionieren oder durch zusätzliche Wände Grundrissänderungen vornehmen. Ebenso kann ein Anbau in Holzbauweise den gewünschten Raum für ein zusätzliches Büro im Eigenheim schaffen. Später einmal können die neu geschaffenen Räume einfach umgenutzt werden. Was heute Büro, Praxis oder Geschäftsraum ist, kann in einer anderen Lebensphase zum Gästezimmer oder zu einer eigenständigen Wohneinheit bzw. Einliegerwohnung umgestaltet werden. So bleibt das Haus langfristig nutzbar.
Eine hervorragende Möglichkeit zur flexiblen Nutzung eines Einfamilienhauses bietet die Einliegerwohnung. Mit einer Einliegerwohnung schafft man zusätzlichen Wohnraum und eine echte Kapitalanlage, die zur Wertsteigerung der Immobilie beiträgt. Ob zur dauerhaften Vermietung, als Ferienwohnung oder Büro, als Wohnraum für Angehörige, Au-pairs oder Pflegepersonal im Alter – die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig und sichern ein Höchstmaß an Flexibilität. Beispielsweise kann eine Einliegerwohnung in den ersten Jahren vermietet werden, um mit den Mieteinnahmen die Tilgung des Darlehens zu beschleunigen. Später können die heranwachsenden Kinder oder die Großeltern in die Wohnung ziehen. Alternativ können die Hauseigentümer nach der Familienphase selbst dort einziehen und das Haupthaus lukrativ vermieten. Ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung bietet jede Menge Optionen für die Zukunft – vom generationsübergreifenden Wohnen bis zur zusätzlichen Einnahmequelle lassen sich viele Wohnkonzepte flexibel realisieren.
Auch der Umbau einer bestehenden Immobilie ist attraktiv. Oft lassen sich Keller-, Erdgeschoss- oder Anbaubereiche zu eigenständigen Wohneinheiten entwickeln, die dann den gewünschten Mehrwert schaffen und ebenso den Wert der Immobilie steigern. Damit die Räume als Einliegerwohnung gelten, müssen sie vollständig von den übrigen Wohnbereichen des Hauses abgetrennt sein. Sie müssen über einen abschließbaren Zugang sowie über eine Küche und ein Bad verfügen. Die Eingangsbereiche dürfen jedoch geteilt werden, das heißt, der Eingang zur Einliegerwohnung muss nicht zwangsläufig außen liegen. Eine Erreichbarkeit über ein gemeinsames Treppenhaus ist durchaus zulässig.
Modulares Bauen gewinnt im privaten Hausbau zunehmend an Bedeutung. Dabei wird das Haus aus klar strukturierten, kombinierbaren Modulen, die bereits eine Decke und Wände, sowie Türen, Fenster, Bodenbeläge und weitere Installationen beinhalten, geplant und im Werk komplett vorgefertigt. Auf der Baustelle werden diese Module anschließend quasi nach einem Baukastenprinzip zusammengesetzt. Da die Fertigung witterungsunabhängig im Werk stattfindet, kann eine hohe Terminsicherheit gewährleistet werden. Das vereinfacht die Planung und die Kalkulation des Modulbaus.
Aufgrund des Baukastenprinzips lassen sich Modulbauten im Vergleich zu herkömmlichen Gebäuden besonders einfach erweitern und an die verschiedenen Lebensphasen anpassen, indem zusätzliche Module später an- oder auf das bestehende Hausmodul gesetzt werden können. So kann das Haus mithilfe des Modulbaus einfach je nach Bedarf wachsen. Die Modulbauweise offeriert die Möglichkeit, klein zu starten und bei steigendem Platzbedarf weitere Module anzufügen, etwa bei Familienzuwachs, dem Zuzug eigener Angehöriger im Alter oder beim Wunsch nach einem Büroarbeitsplatz in den eigenen vier Wänden.
Für flexible Wohnkonzepte können verschiedene Förderprogramme in Anspruch genommen werden. Eine professionelle Förderberatung ist auf jeden Fall essenziell, denn ohne eine individuelle Beratung werden leicht Programme übersehen, die kombinierbar sind und sich dadurch gewinnbringend auf das Bauvorhaben auswirken.
Für den Neubau eines Hauses mit Einliegerwohnung kommt das KfW-Programm „297/ 298 Klimafreundlicher Neubau – Wohngebäude“ in Betracht. Mit diesem Programm lässt sich aber auch ein anbaubedingter neuer Wohnraum fördern, der hohe Energieeffizienzstandards erfüllt. Ein Neubau samt Einliegerwohnung muss bei diesem KfW-Förderprogramm den energetischen Standard eines Effizienzhauses 40 und die Anforderungen des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG) erfüllen.
Soll ein Haus zum Generationenhaus umgebaut werden, ist sicher auch das KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“ interessant, dass Umbaumaßnahmen für altersgerechtes Wohnen unterstützt. Neben zahlreichen Maßnahmen zur Barrierereduzierung deckt der „Kredit Nr. 159“ auch Änderungen der Raumaufteilung ab.
Trägt ein Anbau oder eine Aufstockung dazu bei, dass das Gebäude oder Teile davon einen Effizienzhausstandard erreichen, können diese Maßnahmen über das KfW-Programm „Bundesförderung für effiziente Gebäude-Wohngebäude, Kredit Nr. 261“ gefördert werden. Ebenso wird durch diesen Kredit die Umwidmung von Nichtwohnfläche in Wohnfläche unterstützt, das heißt, im Rahmen der Sanierung zum Effizienzhaus wird die Einrichtung einer Einliegerwohnung indirekt mitgefördert.
Ob Neubau oder Umbau – entscheidend ist die richtige Planung. Generationenhäuser, wachsende Häuser, modulare Konzepte, Einliegerwohnungen sowie Wohnen und Arbeiten unter einem Dach lassen sich sowohl beim Neubau eines Einfamilienhauses als auch im Bestand realisieren. Private Bauherren, die das Entwicklungspotenzial ihres Hauses erkennen, schaffen nicht nur zusätzlichen Wohnraum, sondern sichern durch ein flexibles Wohnkonzept langfristig die Wertbeständigkeit ihrer Immobilie.